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Merkel: „Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung“

Die Grünen im Bundestag und die FDP sprechen von großer Geste, zollen Respekt und würdigen die „Entschuldigung“. Nahezu im Gleichklang auch die Medien, die Merkels mutige „Entschuldigung“ in leuchtenden Farben bejubeln. Merkel wird allenthalben gelobt gewissermaßen als die weise Pfarrerstochter aus der Uckermark.

Das Portal nordbayern.de überschlug sich geradezu und glühte vor Freude: „Nein, das war keine Floskel: Die Entschuldigung Angela Merkels ‚bei allen Bürgerinnen und Bürgern im Land‘ ist ehrlich und absolut bemerkenswert, findet die Politologin Karina Strübbe. Und nennt Gründe, was sie da so sicher macht. Angela Merkel hat sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden, einer Entschuldigung. Das hat einige Reaktionen hervorgerufen ‚Entschuldigung‘: 14 Buchstaben, hinter denen so einiges steckt. Die Politikwissenschaftlerin Karina Strübbe hat für ihre Doktorarbeit das Thema ‚Politische Entschuldigung‘ erforscht und kann daher die Entschuldigung der Bundeskanzlerin gut einschätzen. Aus Sicht der Forschung sei Angela Merkels Verhalten mustergültig, meint die Wissenschaftlerin. Denn sie äußere Reue, übernehme Verantwortung und bitte um Verzeihung.“ (nordbayern.de 2021-03-25)

Zu dumm für die Politologin Strübbe und die Redaktion von nordbayern.de – es waren nicht die 14 Buchstaben „Entschuldigung“, sondern nur 10 Buchstaben „Verzeihung“. Von „Entschuldigung“ war nie die Rede.

Kanzlerin Merkel machte in Thüringen Wahlen rückgängig und nun aktuell die nächtens verordnete „Osterpause“ verbunden mit einem lapidaren „Verzeihung“. Genau besehen eine Lachnummer, wie eine völlige falsche Entscheidung mit dramatischen Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft zu einem „Fehler“ fein „umwortet“ wurde. „Verzeihung“ passt in der Tanzschule, wenn die Fußspitzen der Partnerin tangiert wurden. Eine Bitte um „Entschuldigung“ sieht anders aus. Merkel steht in der Schuld: Bringeschuld, Erklärungsschuld und Handlungsschuld – sie ist bislang vielen vieles schuldig geblieben und ist schuldig geworden. Und wie Luisa Hofmeier in der WELT zurecht notierte, „eine Entschuldigung müsste weitreichender sein“.

Ganz zu schweigen vom biblisch-theologischen Zusammenhang von „Schuld“, was einer Tochter aus dem Pfarrhaus des „Roten Kasner“ (wie nicht nur wir Studenten damals in Ostberlin sagten) womöglich wenig gelehrt wurde. Stattdessen war Horst Kasner nachweislich prägend für die anbiedernde Lehre einer „Kirche im Sozialismus“. Das urbiblische Thema „Schuld“ und in der Folge die Bitte um „Entschuldigung“ gegenüber Menschen und im Blick auf Gott war womöglich bei Pfarrer Horst Kasner weniger der Schwerpunkt.

Allgemein gesagt: Allein der durch meine Schuld Betroffene kann über eine Entschuldigung entscheiden. Er kann sie annehmen oder verwerfen. Er kann meine Schuld vergeben. Und deshalb wende ich mich an ihn und bitte um seine Entschuldigung: „Entschuldigen Sie bitte!“ Genau so gelingt ein neuer Anfang – am besten auch im Gespräch mit dem Himmel: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.“ (Psalm 51). Hier ist sich einer seiner Schuld bewusst. Er bittet Gott um Vergebung und empfängt am Ende ein neues Leben und geht verändert in die Zukunft.

Doch anders Merkel. Langsam dämmert es einigen Journalisten: Der TAGESSPIEGEL titelt: „Die Entschuldigung der Kanzlerin ist ein durchsichtiges politisches Manöver. Und sie macht gleich den nächsten Fehler.“ (2021-03-24)

Michael Schlieben schreibt in ZEIT-online: „Angela Merkels Kalkül könnte aufgehen - Das ist neu, nicht nur für die Corona-Politik, sondern auch für fast 16 Jahre Kanzlerschaft. Merkel hat um Verzeihung gebeten – und könnte ihre Position so verbessern.“ (2021-03-24)

Merkel-Kenner Robin Alexander: „Nach Merkels Entschuldigung folgt das ‚Weiter so‘“ Er hält fest: „Am Mittwoch bat die Bundeskanzlerin um ‚Verzeihung‘. Was folgt daraus am Donnerstag? Diese Frage beantwortete Angela Merkel (CDU) mit einer Regierungserklärung im Bundestag. Um die Antwort vorweg zu nehmen: nichts. Die Regierungschefin will weiter in der Runde der Ministerpräsidenten ihre Maßnahmen besprechen und beschließen. Weiter so – das war das unausgesprochene Motto ihrer Rede.“ (WELT 2021-03-26)

Mit „Verzeihung“ wollte Merkel zurücknehmen, was als sogenannte „Osterruhe“ fest beschlossen war. Der Plan war: Von Gründonnerstag bis Ostermontag wird das öffentliche Leben komplett eingestellt – nichts geht mehr! Ein nächtlicher Gedanke, auf den - so die Süddeutsche Zeitung - Kanzleramtschef Helge Braun plötzlich gekommen war. "Helge, hast du noch eine Idee?", soll Merkel gefragt haben. Alle Ministerpräsidenten haben, halb schlafend oder gerade in Computerspiele vertieft oder wie auch immer, einfach zugestimmt und sind somit auch schuldig geworden.

Was bleibt? Dier Erkenntnis für den schlichten Staatsbürger: Erbärmlich - mit einem seichten „Verzeihung bitte“ eben Beschlossenes abzuräumen und hernach weiterzumachen wie bisher. Und für Bibelkundige die Erinnerung an die Gedanken des weisen Sirach, überliefert in der Bibel und gültig für allezeit:

„Die aber umkehren, lässt er wieder zu Gnaden kommen, und die da müde werden, tröstet er, dass sie nicht verzagen. So bekehre dich nun zum Herrn und lass die Sünden; flehe zu ihm und biete keinen Anstoß mehr! Kehre zum Höchsten zurück und wende dich vom Unrecht ab.“ (Sirach 17,24-26)

März 2021 ©Egmond Prill – Alle Rechte vorbehalten.
www.egmond-prill.de

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