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9. November – Gedenken und Gedanken

Er kommt jedes Jahr wie Ostern, Weihnachten und Silvester: Der 9. November, ein Schicksalstag für Deutschland. Es ist ein schwieriger Tag. Einerseits gibt es Grund zur ausgelassener Freude und fröhlicher Feier. Am 9. November endete im Zuge einer friedlichen Revolution die deutsche Teilung mit Mauer und Schießbefehl. Andererseits blicken wir mit dem 9. November 1938 in einen Abgrund deutscher Geschichte. Die reichsweite Pogromnacht endete im Massenmord an den europäischen Juden.

„Es gibt mindestens sechs Millionen Gründe, an diesen Tag zu erinnern. Vorausgesetzt, die für dessen Protokoll Zuständigen hätten etwas aus der Geschichte gelernt. Haben sie aber nicht. Die Erinnerung an die ‚Reichspogromnacht‘ ist zur hohlen, wohlfeilen Routine verkommen…Auch 2020 wird es feierliche Ansprachen geben, der Bundespräsident wird zu ‚mehr Toleranz und einem besseren Miteinander‘ aufrufen, derselbe Präsident, der einen Kranz am Grab des Judenmörders Arafat niedergelegt und dem Teheraner Regime zum Jahrestag der islamischen Revolution Glückwünsche übermittelt hat.“ Das und noch mehr notierte Henryk M. Broder am 9. November 2020 in der Tageszeitung DIE WELT.

9. November 1938 – „Reichskristallnacht“

Dass Israels Sicherheit deutsche Staatsräson sei, war schon oft zu hören. Bundeskanzlerin Merkel erklärte das während ihrer Rede in der Knesseth 2008. Wohlfeile Worte wie auch zum Gedenken „80 Jahre Kristallnacht“ am 9. November 2018. Damals hatte der jüdische Schriftsteller Chaim Noll im Portal achgut.de geschrieben: „Angela Merkel, offenbar im Vorgefühl ihrer eigenen Historisierung, reist dieser Tage von Gedenkfeier zu Gedenkfeier. Eine davon, am 9. November, galt auch den deutschen Juden. Den toten. Sie spielen eine ungleich größere Rolle im offiziellen deutschen Bewusstsein als die lebenden. Doch auch für diese hatte die Kanzlerin einige Trostformeln, zumindest für genügsame Ansprüche. ‚Der Rechtsstaat darf keine Toleranz zeigen, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden‘, sagte sie in der Berliner Synagoge Rykestraße in gekonnter, alle Unterschiede und Gegensätze verwischender Verallgemeinerung.“

Und das fällt allgemein bei Merkel-Reden auf: Kein Standpunkt. Unangreifbares Gerede, leeres Geplapper, ewiggültiges Geschwafel. Genau das beklagte Michael Bergmann am 21. März 2019 in der Zeitung JÜDISCHE ALLGEMEINE: „Es ist auffällig: Jedes Mal, wenn irgendwo in Deutschland ein Jude beleidigt, geschlagen, ein Hakenkreuz an einen Grabstein geschmiert oder eine prominente jüdische Persönlichkeit bedroht wird, geht ein Aufschrei der Empörung durch die Medien, bis hinein ins deutsche Parlament, wo die Politik sofort Flagge zeigt. Dann heißt es in der Presse, im Fernsehen, auf Facebook, bei Instagram und Twitter unisono: Aufstehen gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass! Und jedes Mal frage ich mich: wieso wieder dieser schiefe, deutsche Dreiklang? Angepöbelt oder angegriffen wurden diese jüdischen Menschen nicht, weil sie weiß sind (das wäre Rassismus), nicht, weil sie Flüchtlinge wären (das wäre Fremdenhass), sondern ausschließlich, weil sie Juden sind, also Judenhass, reinster Antisemitismus, nichts anderes. Nur das!“

9. November 1989 „Mauerfall“

Im Rahmen einer kurzen Presse-Erklärung zur US-Präsidentenwahl gab Merkel am 9. November 2020 anfangs ganz kurz dies zu Protokoll: „Wir denken an die Schande des 9. November 1938, die Pogrome gegen jüdische Mitbürger im ganzen Land, an die Menschen, die in den Tod getrieben wurden, die brennenden Synagogen, die zerstörten Geschäfte. Wir gedenken der Opfer des von Deutschland begangenen Menschheitsverbrechens der Shoah in Scham. Und wir denken an den 9. November 1989, den Jubel, die überschäumende Freude der Menschen, als sich hier, ganz in der Nähe am Brandenburger Tor und entlang der Berliner Mauer, dieses entsetzliche Bauwerk erst öffnete und dann fiel. Erst vor wenigen Wochen, am 3. Oktober, haben wir den 30. Jahrestag unserer deutschen Einheit gefeiert. Sie wäre ohne das Vertrauen gerade auch der Amerikaner nicht möglich gewesen. Dafür werde ich immer dankbar sein.“ Abgelesene Sätze politischer Korrektheit, wobei Merkel zweimal lesen musste, weil ihr zu Beginn der Live-Schalte die Ton-Einstellung nicht passte.

Doch wie war das im November 1989? Wenige Wochen zuvor war daran nicht zu denken. Am 5. Oktober war ich in Berlin und sah am späten Abend mit dem Blick aus dem Fenster, wie Polizei und Militärfahrzeuge parallel zur Frankfurter Allee Stellung bezogen. Mir liefen die Tränen wie Wasserbäche. Denn das war kein Manöver, das war der Ernstfall! Das war die Vorbereitung der Staatsmacht für den 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober und die erwarteten Proteste. Und dann war es an jenem Abend so, dass im „Palast der Republik“ Erich Honecker und seine Getreuen feierten und draußen viele Menschen das Ende dieser Regierung forderten. Die Staatsmacht knüppelte und verhaftete. Das ließ Schlimmes ahnen. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse:

Der 9. Oktober in Leipzig mit dem Spaziergang der mehr als 70.000.

Der 18. Oktober mit dem Abgang des Staatsratsvorsitzenden Honecker.

Der 9. November mit der sagenhaften Pressenotiz und dem Mauerfall.

Wobei „Mauerfall“, was ist das? Ist diese Todesgrenze einfach umgefallen? Oder geschah in dieser Nacht nicht wirklich ein Wunder? Ein Wunder auf das niemand vorbereitet war. Der Fall dieser Mauer stand irgendwie nicht in den Lehrbüchern. In einer Weltsekunde hörte die Deutsche Demokratische Republik einfach zu existieren. Ein Wunder war geschehen!

9. November 2020 „Fehlanzeige“

Es gab diese hohlen und wohlfeilen Worte deutscher Politiker zum Antisemitismus, wie Broder es beschrieb – von Merkel und von Steinmeier. Im Portal t-online.de heißt es: „Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Jahrestag der Pogromnacht zu konsequentem Handeln gegen Antisemitismus in Deutschland aufgerufen. Es beschäme ihn, dass sich Juden mit einer Kippa auf den Straßen hierzulande nicht sicher fühlten, und dass jüdische Gebetshäuser geschützt werden müssten, sagte Steinmeier laut vorab verbreiteter Übersetzung einer Videobotschaft an seinen israelischen Amtskollegen Reuven Rivlin.“

Bleibt die Frage: Nimmt das Wort vom „Antisemitismus“ dem Ansinnen und den Anschlägen nicht das Grauen? Reden wir nicht treffender vom Hass auf Juden, weil sie Juden sind? Vom Hass auf Israel: Das Volk, das Land, den Staat? Das Jahr 2019 hatte den Deutschen dafür einen besonderen Titel beschert, genauer gesagt dem deutschen UN-Botschafter Christoph Heusgen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum setzte den deutschen Diplomaten auf eine Rangliste der zehn schlimmsten antisemitischen Entgleisungen. Es geht allgemein um das anti-israelische Stimmverhalten und konkret um einen Auftritt im März, wo Heusgen die Raketenangriffe der Hamas mit dem israelischen Siedlungsbau in den palästinensischen Gebieten verglichen hatte.

Wie geht weiter? Deutschland muss dringend seine Haltung zum jüdischen Volk heute, zum Staat Israel überprüfen. Der gescholtene US-Präsident Trump hat das getan und die USA deutlicher als bisher an die Seite Israels gestellt. Im Internet kursiert immer noch die Info, unmittelbar nach der Anerkennung der Hauptstadt Jerusalem durch Donald Trump 2017 und der Ankündigung die US-Botschaft in eben diese zu verlegen, habe Merkel europäische Politiker angerufen und vor einem ähnlichen Schritt gewarnt. Schon, dass ihr das zugetraut wird, ist ein Skandal ohne Gleichen! Der großartige tschechische Präsident Miloš Zeman hat inzwischen die Botschaftsverlegung nach Jerusalem angekündigt und auch die rumänische Regierung. Deutschland? Fehlanzeige!

November 2020 ©Egmond Prill - Alle Rechte vorbehalten.
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