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Krieg gegen Kurden

Die Welt schaut weg und Deutschland hat ein Problem

Die Bibel erzählt in der Geschichte von Noah und der Arche, und dass eine Taube schließlich einen Ölzweig zurückbringt. Das Ende der Sintflut. Taube und Olivenzweig sind bleibend Symbole des Friedens. So erscheint es merkwürdig, dass die türkische Militäraktion im Norden Syriens „Olivenzweig“ heißt. Was geschieht dort?

Nach aktueller Nachrichtenlage greift seit Tagen türkisches Militär in der Luft und zu Lande mit hoher Feuerkraft kurdische Gebiete in Syrien an. Ziel sei der Kampf gegen Terroristen. Doch der Einmarsch türkischer Truppen lässt mehr vermuten: Einen offenen Krieg gegen Kurden. Freilich, mehr oder weniger offenläuft dieser Krieg seit Jahren gegen Kurden im Nordirak und seit Jahrzehnten im Osten der Türkei.

Wir erinnern uns: Gegen die ISIS-Erfolge im Nordirak zogen die Kurden in den Krieg. Sie schützten ihre eigenen Wohngebiete, sicherten mancherorts auch das Überleben von Christen und Jesiden und schufen militärisch gesicherte Fluchtkorridore Richtung Syrien. Die vor allem in Syrien kämpfenden Peschmerga-Milizen erhielten dafür Unterstützung aus dem Westen, 2015 sogar deutsche Waffen. Und zu den Waffen noch Ausbildungspersonal der Bundeswehr. Aus Sicht der Türkei waren das „gute Kurden“, die teils gegen Assad und vor allem gegen ISIS kämpfen. Europa hatte diese türkische Unterscheidung der Kurden weitgehend übernommen. Die PKK-Milizen gelten demnach bis zur Stunde als die „bösen Kurden“, die seit Jahrzehnten für Autonomie in der Türkei und einen eigenen Staat kämpfen. Derzeit sind wohl alle Kurden böse und Terroristen. Und da wird es kompliziert: Im Schatten des Krieges gegen ISIS führte die Türkei immer schon einen Kleinkrieg gegen die PKK in Anatolien und im Nordirak. Auf einen Nenner gebracht: die USA und andere bombten die ISIS-Stellungen zusammen. Daneben bekämpften die Türken die PKK-Kurden, die an vorderster Front, eben mit Truppen des Westens, gegen ISIS Krieg führen. Eigentlich waren die Kurden die Bodentruppen der USA und Europas.

Die Entstehungsgeschichte von ISIS ist hier nicht das Thema. Doch es war von Anfang an erkennbar, dass die Türkei durchaus mit Wohlwollen ISIS gewähren ließ. ISIS sogar förderte, solange der auch gegen die Kurden kämpfte. Die ausländischen Kämpfer (und Kämpferinnen) kamen über die türkischen Grenzen in den Irak und nach Syrien, darunter etwa zehntausend aus Europa. Das Kalkül: ISIS erledigt ein türkisches „Problem“, die Kurden. Danach werden die Türken im Verbund mit dem Westen ISIS besiegen und abräumen. Es entsteht ein weiter Raum für eine türkische Vorherrschaft im Orient. Das alte Osmanische Reich lässt grüßen. Schon im Januar 2011 bereiste Erdogan als Ministerpräsident mehrere Länder im Nahen Osten. „Erdogan forderte die Streitigkeiten und Differenzen das 19. und 20. Jahrhunderts, als die arabischen Völker sich gegen die osmanische Herrschaft erhoben, hinter sich zu lassen und sich auf die historischen Gemeinsamkeiten zu besinnen, die Araber und Türken verbinden. Das seien vor allem der Islam und das gemeinsame Ringen gegen christliche Aggressoren. ‚Türken und Araber haben diese Region gemeinsam in der Zeit der Kreuzzüge verteidigt‘, meinte er.“ (WELT 13. Januar 2011).

Und nun? Die Welt schaut dem Krieg gegen Kurden zu. Halbherzig mahnt Brüssel-Europa, die Türkei solle eine Eskalation vermeiden. Schließlich muss der „Flüchtlingsdeal“ mit Erdogan halten. Derweil werden wie so oft in der Geschichte die Kurden zwischen vielen Fronten und Interessen zerrieben. Kaum einer regt sich ernsthaft auf. Freilich, eine große Aufregung gab es, als im vergangenen Jahr Kurden ziemlich demokratisch per Volksabstimmung einen eigenen Staat zu forderten. Doch da waren die westlichen Demokratien gar nicht begeistert. Das sei ohne jedes Recht. Kein Staat und keine UNO sprachen für Kurden. Jeden wie auch immer geformten („geartet“ darf man nicht schreiben) Volksstamm werden Selbständigkeit und Staatsbildung zugesprochen. Für rund fünf Millionen Palästinenser wird die Welt nicht müde seit Jahrzehnten einen Staat zu fordern. Eine Flut von UN-Resolutionen, Kirchen-Papieren und Brüssel-Verlautbarungen widmen sich der Palästinenserfrage, sprechen einem Volk einen Staat zu, das es noch nie gab. Den rund dreißig Millionen Kurden, einem alten Volk mit eigener Sprache und Kultur, wird genau das bis heute verwehrt.

Bleibt zum Schluss eine Randnotiz: Auch mit deutschen Waffen führt die Türkei diesen Krieg gegen Kurden. Kampfpanzer Leopard und die schwere Panzerhaubitze von Krauss-Maffei sind nach Medienberichten im Einsatz. Die Kurden wehren sich mit deutschen Waffen. Und in deutschen Städten öffnen sich dank großzügiger Einwanderungspolitik vergangener Jahrzehnte neue Schlachtfelder. Zehntausende Kurden und hunderttausende Türken führen in diesen Tagen den Krieg hier im Lande: Im Flughafen Hannover mit Knüppeln, Fäusten und Fahnenstangen, in Hamburg, Berlin. Die Operation „Olivenzweig“ hat auch eine deutsche Dimension.

Januar 2018 ©Egmond Prill – Alle Rechte vorbehalten.
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