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Gedanken zum 9. November 2018

Wir sprechen vordergründig und hintergründig über den 9. November 1989 - den Fall der Berliner Mauer und das Ende der deutschen Teilung und jene Nacht der Freude für die Deutschen in Ost und West. Wir erinnern an den 9. November 1938 - die Pogromnacht in Deutschland. Der Begriff "Reichskristallnacht" wurde geprägt.

Juden und Christen glauben an einen Gott, der sich in der Geschichte zeigt. Und wir erkennen: Jahre und Jahrzehnte reihen sich zu Jahrhunderten und Jahrtausenden. Aus der Vielzahl, dem Alltäglichen und scheinbar Zufälligen lassen sich Linien und Fäden gewinnen. Diese Fäden aber hält Gott in der Hand. Israel glaubt einem Gott, der sich in Geschichte und Geschichten erweist. Spannend ist die Frage: Wie offen ist die Geschichte der Welt, die Geschichte unseres Volkes und die Geschichte meines Lebens, wenn darin Gott regiert?

Gott und Geschichte

Es ist immer schwierig, Gott in die Geschichte der Menschen hineinzuziehen. Aber ich meine, es ist noch schwieriger Gott aus der Geschichte auszuklammern. Ohne die Frage nach Gott wird die Betrachtung der Geschichte einseitig und die Bewertung der Ereignisse wird oberflächlich bleiben. Zugleich ist es schwierig, das Auf und Ab menschlicher Historie jeweils eindeutig auf Gottes Handeln zurückzuführen. Menschen sind nicht Marionetten. Der Glaube an Gott bekennt sich zur Verantwortung des Menschen für sein Tun und betont zugleich, nichts geschehe ohne Gottes Willen. Ein Wort aus der Juden und Christen gemeinsamen Bibel:

„Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ 1.Mose 12,1-3

Das ist das Geheimnis der Geschichte Gottes mit seinem Volk und mit den Völkern, ein Geheimnis, das dennoch offen auf der Hand liegt. Der Gott der Geschichte hat sich dauerhaft mit Israel verbunden.

9. November 1938 - Synagogen brennen, Schaufensterscheiben gehen zu Bruch, Juden werden erschlagen. Die Verfolgung der Juden in Deutschland erreicht einen erschreckenden Höhepunkt. Im ganzen Reich gibt es bisher nicht gekannte Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte und Einrichtungen. Mehr als 200 Synagogen und über 7.000 Geschäfte gingen in Flammen und wurden zerstört. Das Wort an Israels Erzvater Abraham "Ich will verfluchen, die dich verfluchen" sollte sich bald darauf buchstäblich erfüllen. 1939 zog Deutschland in den Krieg, der zum zweiten Weltkrieg wurde und mit der totalen Kapitulation des Reiches endete. Halten wir an dieser Stelle fest. 1938 - Deutschland stand als Großdeutsches Reich auf der Höhe seine Triumphe und nur wenige ahnten: es stand mit dem Beginn der Judenvernichtung am tiefsten Abgrund seiner Geschichte.

Ende und Anfang

Zehn Jahre später - 1948 - hatte sich für Deutschland alles, aber auch wirklich alles verändert: Vom Deutschen Reich war nicht mehr viel übrig. 16 Millionen Menschen aus dem deutschen Osten waren geflohen oder vertrieben. Das war die größte Vertreibungsaktion der Geschichte. Was von Deutschland übrig war, lag in Scherben und war von den Siegermächten besetzt. 1948 zeichnete sich die endgültige Spaltung Deutschlands ab. 1948 war aber auch jenes Jahr, das den Juden einen eigenen Staat bescherte. Nach fast zweitausend Jahren der Zerstreuung über die ganze Erde, der Verfolgung in aller Welt, gründete das Volk der Juden wieder einen Staat. Selbstbewusst nannte sich das Land "Israel". Am 14. Mai des Jahres 1948 rief David Ben Gurion den modernen Staat Israel aus. Zehn Jahre nur sind zwischen 1938 und 1948 vergangen, die Welt aber hat sich grundlegend verändert. Für die Weltgeschichte ist das nur ein Wimpernschlag der Zeit. Klar ist: Deutschland ist am Ende, Israel steht an einem neuen Anfang seiner Geschichte.

9. November 1989 - nach 40 Jahren war die Zeit der Trennung abgelaufen. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wer in jenen Stunden was veranlasst hat und wie jene Notiz in die Pressekonferenz kam, die schon beendet war. Um 18.53 Uhr, verliest das SED-Politbüro-Mitglied Schabowski jenen berühmt gewordenen Satz. Schon eine Stunde später verlangen die Menschenmassen aus Ost-Berlin die Öffnung der Mauer, um 22.30 Uhr können die Grenzsoldaten die Bornholmer Brücke nicht mehr halten. Um zwei Minuten nach Mitternacht sind laut internem Lagebericht der DDR-Polizei sämtliche Grenzübergänge zum Westen offen. Die Geschichte des geteilten Landes ging nach genau 40 Jahren zu Ende. Krenz und Gorbatschow, Kohl und Busch und wie alle Personen hießen, die politisch etwas zu sagen hatten - sie erscheinen nur wie Randfiguren einer Geschichte in deren Mittelpunkt ein Wunder stand. Es ist das Wunder der friedlichen Wiedervereinigung eines Volkes, das sichtbar begnadigt worden ist.

Gnade und Gericht

3. Oktober 2018. Am Tag der Deutschen Einheit reiste unter Leitung von Bundeskanzlerin Merkel eine große Regierungsdelegation nach Israel. Der offizielle Nationalfeiertag der Deutschen in Erinnerung an die Wiedervereinigung 1990, die ohne die friedliche Revolution und den Mauerfall vom 9. November 1989 nie Wirklichkeit geworden wäre. Und jeder 9. November in der deutschen Geschichte ist mit der sogenannten „Kristallnacht“ 1938 verbunden. So gesehen sind deutsch-israelische Wirtschaftsverträge ein Wunder. Und doch: Doch dieser Regierungskonsultation fehlte ein Zeichen, mehr noch: Ein Neuanfang: 70 Jahre nach der Staatgründung Israels und kurz vor der Erinnerung an den 9. November vor genau 80 Jahren. In Deutschland hieß das vorzeiten neue „Ostpolitik“: Die Wirklichkeit anerkennen und so die Zukunft gestalten. Im Orient ist es Zeit für eine neue „Nah-Ost“-Politik. Ein deutsches Bekenntnis zu Jerusalem als der Hauptstadt des Staates Israel wäre ein Zeichen gewesen. US-Präsident Trump war der erste in der Welt, der Israels Hauptstadt anerkannte. Merkel hätte die erste in Europa sein können. Weil eine solche Ansage fehlte, sind Merkels Gespräche schon Geschichte und vergessen, aber nichts für die Geschichtsbücher. Und seit Ende Oktober ist Merkel selbst schon Geschichte.

November 2018 ©Egmond Prill - Alle Rechte vorbehalten.
www.egmond-prill.de

 

Das Buch zum Thema:

Egmond Prill: Schicksalstag 9. NovemberSCHICKSALSTAG 9. NOVEMBER

Gedanken zur Geschichte von Juden und Deutschland

2. Auflage 2017 (aktualisiert)

48 Seiten im Format A5

Einzelpreis 5,00 Euro

Zehnerpack 45,00 Euro

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