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Deutschland: Bußtag 2019

Gedanken zur Zeit und zur Zukunft

Wir finden ihn längst nicht mehr in jedem Kalender: den Bußtag. Nur noch im Freistaat Sachsen ist der Tag gesetzlich arbeitsfrei. 1995 war es eine Regierung unter Führung der „Christlich“-Demokratischen-Union (CDU), die den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag aus dem Kalender strich. Es ging damals um die Finanzierung der neu eingeführten Pflegeversicherung. Freilich, nicht der „Tag der Arbeit“, von den National-Sozialisten 1933 per Gesetz zum Feiertag erklärt, wurde gestrichen, sondern der Bußtag.

Die offizielle Kirche beschäftigt sich heutzutage mit Klimapolitik, befördert Genderideologie und widmet sich vor allem dem „Kampf gegen Rechts“. Da liegen in Deutschland Evangelische und Katholische ziemlich gleich auf. Wobei sich die ersteren demnächst mit einem eigenen Schiff im Mittelmeer mehr oder weniger den mafiösen Schleusern andienen. Die lautstarke Forderung der Kirchen nach sofortiger Einführung eines landesweiten Bußtages – Fehlanzeige! Der Ruf zur Umkehr? Nicht zu hören. Nur die Bitte zur Abkehr – von Plastiktüten.

Wohin geht die Reise? Der Prophet Jesaja klagt in haltloser Zeit „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!“ (Jes. 5,20f). Eine deutsche Regierung, die sich anmaßt eine Ehe für alle zu erfinden und ein drittes Geschlecht zu erschaffen und heiße Luft zu verkaufen, hält sich für alternativlos. Ist das nicht demokratielos und zugleich gottlos? Längst sind die dunklen Wolken eines Gottesgerichtes über Deutschland und Europa sichtbar. Wohin geht die Reise: Wirtschaftlich, moralisch, politisch?

“Wenn Menschen gottlos werden, dann sind die Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Schulden zahllos, Besprechungen ergebnislos; dann ist die Aufklärung hirnlos, sind Politiker charakterlos, Christen gebetlos, Kirchen kraftlos, Völker friedlos, Sitten zügellos, Mode schamlos, Verbrechen maßlos, Konferenzen endlos, Aussichten trostlos“. Das sollen Gedanken von Antoine de Saint-Exupéry sein, dem Dichter-Vater des Kleinen Prinzen. Bedenkenswert, von wem auch immer notiert. Doch Deutschland braucht keinen Tag zum Innehalten, zum Anhalten und zur Umkehr – oder? Atemlos und rastlos und ziellos jagen wir in die Zukunft. Verlassen von allen guten Geistern geistern wir durch die Zeit. „Wir schaffen das!“

Bußtage wurden früher oft nach schweren Kriegen, großen Katastrophen und verheerenden Pest-Zeiten ausgerufen. Mitten im Leid oder direkt nach dem Elend wurde gefragt: Was hat das mit uns zu tun? Wo sind wir schuldig geworden und haben das Unheil herauf beschworen? Heute sind wir stattdessen bei der Frage: Wie kann Gott das zulassen? Wie kann es sein, dass unser sonniges Leben plötzlich von Finsternis überschattet wird, Krankheiten und Krisen kommen? Übrigens: Die Geschichte vermerkt, dass ein erster Bußtag zusätzlich zu den jährlichen Buß- und Fastenwochen im Jahre 1532 in Straßburg ausgerufen wurde. Anlass war die drohende „Türkengefahr“, die Angst vor einer osmanischen Eroberung und Islamisierung des Abendlandes.

Inzwischen leben wir mitten in Europa mit den Schrecken islamistischen Terrors. Anschläge in Paris, London, Madrid, Moskau und Berlin. Nahezu täglich Messermorde. Laut 3sat-Auslandsjournal (15.11) wurden allein in Groß-Britannien seit Jahresanfang 44.000 Messer-Attacken gezählt. Eine deutsche Statistik wird nicht geführt. Daneben gibt es eine Staatsschuldenkrise in Spanien, Italien und Griechenland. Doch wir gehen unbeirrt weiter! Wohin eigentlich? Wo bleibt das Innehalten einer Regierung, die Fehler erkennt und bekennt? Wo bleibt die Bitte um Gottes Geist und Gnade angesichts einer völlig verirrten Zeit? Wo hören wir einen Ruf zur Buße und die Bitte um Gottes Erbarmen inmitten des moralischen Untergangs unserer Gesellschaft? Es gibt Warnungen am Wege, Zeichen der Zeit, Gottes Mahnungen für unser Land und Volk. Wer sieht diese und wer sagt das?!

Einst ging der Prophet Jona nach Ninive, um der gottlosen Stadt das Ende anzusagen: 40 Tage, dann wird Ninive untergehen! „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. Und als das vor den König von Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche und ließ ausrufen und sagen in Ninive als Befehl des Königs und seiner Gewaltigen: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Rinder noch Schafe etwas zu sich nehmen, und man soll sie nicht weiden noch Wasser trinken lassen; und sie sollen sich in den Sack hüllen, Menschen und Vieh, und heftig zu Gott rufen. Und ein jeder kehre um von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände! Wer weiß, ob Gott nicht umkehrt und es ihn reut und er sich abwendet von seinem grimmigen Zorn, dass wir nicht verderben.“ (Jona 3, 5-9).

Die Buße begann als Bewegung im Volk. Das erinnert mich an die Gebetskreise damals in der DDR und schließlich die Revolution der Kerzen. Wir waren wenige. Selbst die siebzigtausend am 9. Oktober 1989 in Leipzig waren nicht viele, aber Mutige: „Wir sind das Volk“. Auch heute sind es nur die Wenigen, die mutig genug sind und nach Alternativen suchen. In Ninive erreichte die Buße schließlich den König und der erklärte Bußtage sogar fürs Vieh: Vielleicht ist Gott gnädig und tut das Unheil nicht. „Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat's nicht.“

Ein Glaubenslied aus alter Zeit mahnt (1561):

  1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen.
    Bedenk, was Gott an dich gewandt, wozu er dich erschaffen.
    Bedenk, was Gott dir hat gesandt und dir vertraut, sein höchstes Pfand;
    drum magst du wohl aufwachen.
  2. Gott hat dir Christum seinen Sohn, die Wahrheit und das Leben,
    sein liebes Evangelion aus lauter Gnad gegeben:
    denn Christus ist allein der Mann, der für der Welt Sünd gnug getan,
    kein Werk hilft sonst daneben.
  3. Du solltest bringen gute Frucht, so du recht gläubig wärest,
    in Lieb und Treu, in Scham und Zucht, wie du solchs selbst begehrest,
    in Gottes Furcht dich halten fein und suchen Gottes Ehr allein,
    dass du niemand beschwerest.
  4. Gott warnet täglich für und für, das zeugen seine Zeichen,
    denn Gottes Straf ist vor der Tür;
    Deutschland, lass dich erweichen, tu rechte Buße in der Zeit,
    weil Gott dir noch sein Gnad anbeut und tut sein Hand dir reichen.
  5. Das helfe Gott uns allen gleich, dass wir von Sünden lassen,
    und führe uns zu seinem Reich, dass wir das Unrecht hassen.
    Herr Jesu Christe, hilf uns nu und gib uns deinen Geist dazu,
    dass wir dein Warnung fassen.

Gott segne das Land der Sachsen!
Und er nehme seinen Segen nicht von unserem ganzen Land!
HERR, erbarme dich und leite uns auf gutem Wege!

November 2019 ©Egmond Prill - Alle Rechte vorbehalten.

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