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Steimle

Wenn aus der Friedensdekade ein Polit-Drama wird

Unter dem Titel „Krieg 3.0“ plakatiert die Initiative „Ökumenische Friedensdekade“ ihre Herbstaktion 2018. Vom 11. – 21. November soll auf die Gefahren der Aufrüstungsspirale aufmerksam gemacht werden, die zum dritten Weltkrieg führen können. Nicht nur dem Schirmherrn Uwe Steimle aber wurde kürzlich der Krieg erklärt.

Der sächsische Kabarettist Uwe Steimle ist ein Original. Einfach Steimle eben. Eine Marke und eine Klasse für sich. Er ist der Ossi schlechthin und die Stimme aus Mitteldeutschland. Wobei er perfekt die brüchig-hohe Stimme des Saarländers Erich Honeckers parodieren kann und gelegentlich die aus Hamburg stammende Angela Kasner mit ihrem ausdruckslosen Tonfall treffend intoniert.

Politisch hat er auch etwas zu sagen und hat es gelegentlich auch gesagt. Einiges wurde ihm nun zum Verhängnis. Aus der sächsischen Initiative „Schwerter-zu-Pflugscharen“, die in der ehemaligen DDR landesweit Aufsehen (und staatliche Verfolgung) erregte, ist inzwischen die „Ökumenische FriedensDekade e.V.“ geworden. Was damals vor allem ehrenamtlicher Einsatz für Frieden und Verständigung gegen staatsozialistische Bevormundung war, ist inzwischen gut-kirchlich eingehegt und rot-grün angehaucht. Vorsitzender ist der Politologe Jan Gildemeister (Bonn). Im Leitungsgremium sind u.a. Vertreter und Vertreterinnen von Pax Christi, Brot für die Welt und ProAsyl zu finden. Ortsangaben wie Bonn, Darmstadt, Hannover, Kaiserlautern und Frankfurt (am Main) zeigen ziemlich klar nicht nur eine lokale Ausrichtung. So war es sicher ein gut überlegter Gedanke, am 23. Februar den Ossi Uwe Steimle zum Schirmherrn zu küren. Die sächsische Kirchenzeitung DER SONNTAG (11. März) schrieb: „Eine ungewöhnliche, aber nicht reizlose Wahl, die insbesondere als Aufmerksamkeit für den Osten Deutschlands gedeutet werden könnte. Denn hier genießt der Humorist höchste Popularität…Doch nur fünf Tage später kam der Rückzug. Die Initiatoren der FriedensDekade entschieden, die Zusammenarbeit mit Uwe Steimle mit sofortiger Wirkung zu beenden.“

In der offiziellen Pressemitteilung von FriedensDekade e.V. heißt es: „Zu den zentralen Kritikpunkten an Uwe Steimle gehörten, seine Aussagen ließen keine eindeutige Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen bzw. der Pegida-Bewegung erkennen. Verlautbarungen über Israel und die USA seien einseitig, würden der Komplexität nicht gerecht und ließen die Grenze zu antiamerikanischen und antisemitischen Positionen verschwimmen. Unabhängig von der Frage, ob die benannten Vorwürfe gegen Uwe Steimle berechtigt sind oder nicht, distanziert sich die Ökumenische FriedensDekade ausdrücklich von jeglichen pauschalisierenden, rassistischen und antisemitischen Positionen.“

Wie so oft in unserer Zeit hat die antifaschistische Volksfront zugeschlagen, um der Menschheit mit gutmenschlicher Überzeugung zu erklären, was gar nicht geht. Meinungsfreiheit hin oder her. Die heutige sozialistische Sprachpolizei übertrifft in ihrer Wucht noch die Vorgänger aus alten Zeiten, denn heutzutage geht es wortgewaltig auf allen Kanälen sofort zur Sache: AFD, PEGIDA, Populisten, Rassisten, Nazis. Steigerung nicht möglich. Wer es wagt, auch nur Millimeter vom verordneten Gleichklang vorgegebener Sprachmuster abzuweichen, ist draußen und gelegentlich gesellschaftlich tot. Zur alternativlosen Politik von ganz oben kann es keine alternativen Meinungen geben. Man muss gar nicht die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld zitieren: „Die Causa Steimle ist ein neuer Beweis dafür, wie schlecht es um die Freiheit der Andersdenkenden in Merkel-Land bestellt ist.“ Diskussion ist nicht gewünscht und die Stimmen derer da unten aus Dunkeldeutschland schon gar nicht. Und so kritisiert das Magazin CICERO:

„Uwe Steimle wäre gerade durch das Provozierende, das Ungebundene, das Freigeistige, das Unberechenbare eine Chance für den Verein, zur gesellschaftlichen Debatte beizutragen. Ein Grundirrtum des Vereins besteht darin, zu glauben, dass Steimle die politische Polarisierung der Gesellschaft befördert. Diese Polarisierung ist vorhanden. Wer Steimle dafür kritisiert, verwechselt Bote und Botschaft. Der Verein spricht von seinem gesellschaftlich hochbedeutsamen Gesamtanliegen. Doch wird er dem durch Diskursausschluss nicht gerecht. Man zieht sich in die eigenen Positionen, von denen man selbstgerecht meint, dass es die einzig richtigen seien, zurück. Wem ist damit gedient? Wer sollte nach diesem Eklat jetzt noch die Schirmherrschaft übernehmen können? Sicher, Leute wie der Kulturbeauftragte der EKD, der den Begriff des Feindes in die politische Debatte einführen und sogar noch theologisch begründen will, finden sich immer. 

Um die Situation auf den ersten Blick noch verzwickter zu machen, fordern in einer online-Petition ‚die Freien Wähler Dresdens und weitere engagierte Bürger‘, dass sich der Verein bei Uwe Steimle entschuldigt. Zu den engagierten Bürgern gehören der CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz, der ehemalige Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Michael Beleites und der Politikwissenschaftler Werner Patzelt.“

 

März 2018 ©Egmond Prill – Alle Rechte vorbehalten.
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